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Hamburg war für viele Menschen im 19. und 20. Jahrhundert das Tor zur Welt, das Tor in ein neues Leben. Seit 1841 verließen Menschen Europa über Le Havre, Antwerpen, Liverpool und Hamburg. Sie flohen vor Armut, Hunger, Kriegen, religiöser und politischer Verfolgung.

Hamburg wurde erst relativ spät zur Auswandererstadt. Dazu trug maßgeblich die Gründung der Hamburg-Amerkanische-Paketfahrt-Aktiengesellschaft, der HAPAG, im Jahre 1847 bei. Neue Schiffe wurden in den Dienst der Hapag gestellt, und das Geschäft mit den Auswanderinnen und Auswandern trug maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens bei.

Seit dem Jahre 1900 gilt Hamburg als bedeutendste Auswandererhafen Deutschlands: Zwischen 1836 und 1941 verließen etwa vier Millionen Menschen Europa über die Hansestadt. Unzählige kamen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hinzu, bis Flugzeuge schließlich die Funktion von Massentransportmitteln übernahmen. Insgesamt wanderten etwa fünf Millionen Menschen über Hamburg aus.

Zur Bewältigung der immer stärker werdenden Zahl von Auswanderinnen und Auswanderern wurden in Hamburg Massenunterkünfte, die Auswandererhallen, gebaut, zuerst am Amerika-Kai im Hafen, dann im Stadtteil Veddel. Die Auswandererhallen mit geordneten und hygienischen Verhältnissen zogen noch mehr Auswanderinnen und Auswanderer nach Hamburg.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert stellen osteuropäische Juden den größten Teil der Auswanderer. Ursache für den Weg in die Neue Welt sind Pogrome in den Heimatländern. Bis 1914 wandern über eine Million Jüdinnen und Juden aus Osteuropa über Hamburg aus. Zahlreiche Filmemacher und Filmemacherinnen setzten ihnen cineastische Denkmäler, zum Beispiel Steven Spielberg in "Feivel der Mauswanderer".

Auch die Hamburger Kunstszene beschäftigte sich mit den Auswanderinnen und Auswanderern und ihrem Weg in ein ungewisses Schicksal. So beobachtet Richard Dehmel: "Und rund herum, bedrückt und schwer, / verworrene Worte, hin und her; / Gesichter, furchig, knochig, stumpf, / und Menschendünste, dick und dumpf. / Zusammengeguckt mit Hab und Gut, / mit ihrem letzten bißchen Mut, / aus Polen und Preußen sitzen sie da / und wollen nach Amerika. / Nur wenn das Wörtchen 'drüben' fällt, / grünt eine ferne Hoffnungswelt; / und Alle atmen tiefer dann, / und alle sehen sich tiefer an."
(Aus Richard Dehmel: Vierte Klasse)

Detlev von Liliencron hielt folgende Szene fest: "Den Strom hinab glitt feierlich und stumm, / Gleich einer Königin, voll hoher Würde, / Ein Riesenschiff, auf dessen Vordeck / Die Menschen Kopf an Kopf versammelt stehen. / Sie alle winken ihre letzten Grüße / Den letzten Streifen ihrer Heimat zu." 
(Aus Detlev von Liliencron, Am Strande)

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